In Vaihingen an der Enz, einer schwäbischen Kleinstadt, ist Wendelgard von Staden auf dem Hofgut Kleinglattbach aufgewachsen. Ihre Eltern führten eine große Landwirtschaft. Die Nazi-Herrschaft erlebte Wendi aus konträren Blickwinkeln. Da war zum einen der Onkel der heute Hundertjährigen, Konstantin von Neurath. Als erster Außenminister unter Hitler und späterem Reichsprotektor von Böhmen und Mähren gehörte er zu den obersten Rängen des NS-Regimes. Die knapp Zwanzigjährige erlebte auch die Grausamkeit der NS-Ideologie aus nächster Nähe, als Inhaftierte aus dem KZ Wiesengrund auf dem Hofgut der Eltern arbeiten mussten. Doch Wendis Mutter nutzte ihre privilegierte Stellung, hielt die SS-Wachen in Schach und konnte die völlig geschwächten jüdischen Häftlinge mit zusätzlichem Essen versorgen. So rettete sie Dutzenden Juden das Leben. Wendi war dabei ihre Verbündete und verliebte sich in einen der Häftlinge. Während Wendis Enkelin Gina spürt, wie das Geschehene und der Umgang mit der familiären Verstrickung in das NS-Regime sich bis heute auch auf die neuen Generationen auswirkt, hadert Wendi von Stadens Tochter Inga. Sie glaubt, dass Orte ein Gedächtnis haben und weiß nicht, wie sie mit diesem Erbe umgehen soll.


