PreisträgerInnen 2018

Die Stunde der Gewinner – Impressionen von der Preisverleihung

Alle Gewinner - Filmschau und Jugendfilmpreis- der Preisverleihung

Jens Wischnewski 
mit ''Tatort- Anne und der Tod"

Der Hauptpreis der Filmschau 2018 geht an den Film „Tatort -  Anne und der Tod“ von Jens Wischnewski. Die Jury kam zum einstimmigen Ergebnis, dass der Tatort „Anne und der Tod“, basierend auf einem hervorragenden Drehbuch von Wolfgang Stauch ein ausgezeichneter und deshalb auszeichnungswürdiger Film ist: Nicht nur, weil Regisseur Jens  Wischnewski mit großer Sensibilität seine exzellente Hauptdarstellerin Katharina Marie Schubert durch ein Sujet führt, in dem es zahlreiche Klischee-Fallen zu umschiffen gilt. Sondern auch, weil der durchweg packende Film es wagt, die Ambivalenz der Themen Missbrauch, Angst vor sozialem Abstieg und Pflegenotstand auszuhalten ohne sie in eine Krimi-taugliche eindeutige Auflösung zu überführen. 'Leute, das kriegt ihr nie raus', sagt der Pathologe. Das gilt auch für den Zuschauer, der ständig durch neue Wendungen überrascht und dabei mit den eigenen Vorurteilen gegenüber der Pflegebranche und scheinbaren 'Todesengeln' konfrontiert wird. Zeitsprünge werden zu einer dramaturgisch eleganten Collage verbunden. Immer wieder funkelnde Dialoge: 'Schwester Fummel und der Tod. Es wäre komisch, wenn es komisch wäre.' -  'Was würde Sie daran mehr stören: Schwester Fummel? Oder der Tod?' Dabei sind es die beiden männlichen Kommissare, die mit ihrer unnachgiebigen Verhörtechnik, ohne es zu merken, einen Missbrauch wiederholen, der aus Scham vermeintliche Schuld werden lässt. Ein brisanter Kriminalthriller, doppelbödig, intensiv, dicht inszeniert, brillant gespielt – der im Zuschauer noch lange nach Filmende nachwirkt."

Regisseur Jens Wischnewski gewinnt denBaden- Württembergischen Filmpreis für ''Tatort- Anne und der Tod''

Cengiz Akaygün
mit 'Der Mandarinenbaum'

"Der Mandarinenbaum ist eine in sich geschlossene, feinfühlige kleine Geschichte mit großen Gefühlen, liebevoll und stimmig erzählt. Der Film überzeugt durch starke Bilder und glaubhafte Figuren, eine schlüssige Handlung mit Steigerungen und Überraschungen. Ein junges Mädchen nutzt die Symbole eines unterdrückerischen Systems, um ihrem aus politischen Gründen inhaftierten Vater Hoffnung zu schenken:
Ein Vogel und ein Mandarinenbaum werden zur Ikonografie der Freiheit, die sich schließlich durchsetzt und stärker ist als der Sadismus der kleinen Leute in einem unterdrückerischen System, ja stärker als das System selbst.
Am Ende bleibt die Botschaft: Die Gedanken sind frei."

Der Preis für den besten Kurzspielfilm geht an Cengiz Akaygün für ''Der Mandarinenbaum''

Lilith Kugler
mit 'La Maladie du Démon'

"Lilith Kugler hat mit ihrem Film 'La Maladie du Démon' ein humanitäres Problem aufgegriffen, welches in unseren Breitengraden völlig unbekannt ist. Mit ihrem Engagement unterstützt sie die Aufklärung über Krankheiten, die nicht ihren Ursprung in Bessenheit durch Dämonen haben und hilft damit Menschen, die von neurologischen Krankheiten betroffen sind. Mit ihrer sensiblen Vorgehensweise lässt sie viel Raum für die Betroffenen und für die, die Hilfe leisten. Die Kamera ist immer nah am Geschehnis und agiert unaufgeregt. Die Jury hat sich dafür entschieden Lilith Kugler, die ein so brennendes und emotionales Thema umgesetzt hat, für La Maladie du Démon eine lobende Erwähnung auszusprechen.

Lilith Kugler's ''La Maladie du Démon'' erhält eine Lobende Erwähnung

Constantin Hatz
mit 'Stammtisch'

"Ein Stammtisch ist ein Ort der Passionen, Sehnsüchte, Ängste und politischer Meinungen. Ein Ort, an dem man seine Freizeit verbringt und der den Menschen im Alltag Raum für die Vorstellung vom eigenen Glück bietet. In seinen ruhigen, starken komponierten Einstellungen gibt der Film Einblicke in dieses „Mysterium“. Jeder Stammtisch ist ein eigenes Psychogramm seiner Teilnehmer. Nur durch die Auswahl des Schnitts gefiltert, kann der Zuschauer fast voyeuristisch den Treffen verschiedenster Interessengruppen unmittelbar beiwohnen und somit in ihre Welten eintauchen. Dies fällt manchmal leicht oder auch schwer, lässt einen aber noch lange nach dem Abspann über das Gesehene und seine Form nachdenken. In der Kombination des Themas und der Ästhetik zeigt sich eine klare Handschrift des Filmemachers und geht somit in seiner Konzeption nahe an die Grenze zwischen Dokumentation und Spielfilm. Besonders hervorgehoben werden sollte außerdem die starke und moderne Bildsprache, die die einzelnen Geschichten zusammenführt. Die Jury zeichnet mit „Stammtisch“ einen progressiven und mutigen Dokumentarfilm und Filmemacher aus, der in allen Gewerken begeistert."

Der Produzent Martin Schwimmer nimmt den Preis für den Dokumentarfilm ''Stammtisch'' von Constantin Hatz entgegen

Mareika Greiss
mit 'Liz & Evie'

"Der Film 'Liz und Evie' von Mareika Greiss hat den Mut, sich Zeit zu lassen. Wir können uns den Figuren behutsam und neugierig nähern, um uns mit ihnen zu verbinden und von ihnen überraschen zu lassen. Die feine Dramaturgie der Story ist einfach und bleibt doch spannend bis zum nicht vorhersehbaren Ende. Sie erfreut mit ihrer Mischung aus Humor, Melancholie und Tiefe. Sie lässt dem Zuschauer Raum für eigenes Fühlen. Technisch besticht der Film durch ausdrucksstarke Figuren, deren Animation hervorragend umgesetzt wurde, sowie liebevoll gestaltete Sets. Die Kamerafahrten, die unaufgeregte Rhythmik, die unterschiedlichen Atmosphären bestechen durch Klarheit und Prägnanz. Insgesamt trägt der Film die Handschrift von Sorgfalt, Klugheit, Sensibiltät und feiner stringenter Führung. Er strahlt eine geschmackvolle Eleganz aus.

Mareika Greiss erhält den Preis für ''Liz & Evie'' in der Kategorie Animationsfilm...

...und Carolin Schattenkirchners ''Klassiker in 3 Minuten'' wird mit einer lobenden Erwähnung bedacht.

An dieser Stelle möchten wir -­ die Jury -­ den Beitrag 'Klassiker in 3 Minuten' von Carolin Schattenkirchner zusätzlich lobend erwähnen. Die extrem verdichtete und humorvolle Erzählweise, die Liebe zum Detail in der scheinbar einfachen Stilistik hat uns begeistert."

Erstmals wurde bei der 24. Filmschau Baden-Württemberg der mit 2.000 Euro dotierter Werbefilmpreis vergeben. Die Trophäe gewinnt die Stuttgarter Schokolade Filmproduktion GmbH für den Werbespot 'Mirapodo – Das Leben ist kein Laufsteg'. Mit je einer Lobenden Erwähnung wurden die Werbespots 'Märklin - Gleis 1' von Karli Baumann Werbefilmproduktion in Ludwigsburg und 'You Can't Spell it' von AV  Medien Film + Fernsehen GmbH in Stuttgart bedacht.

"Besser lässt sich Abverkauf nicht ankurbeln", lobt die Jury den Siegerspot vom Online-­‐ Schuhhändler Mirapodo. In diesem Werbefilm der Schokolade Filmproduktion GmbH steht der Schuh im Mittelpunkt, und zwar im Alltag. "Das heißt: unaufgeräumtes Wohnungschaos, bastelndes Kleinkind, schreiendes Baby, Hausarbeit und Berufstalltag – und trotzdem der passende Schuh zur Hand oder am Fuß, denn der lässt sich kurzer Hand online bestellen", heißt es in der Begründung weiter.

"Auch wenn hier das ein oder andere Klischee – Frauen mögen Schuhe, Belohnungskauf gegen Stress – heraufbeschworen wird: Der Spot wirkt. Denn er spricht die Zielgruppe gekonnt an. Er zeigt Situationen mit denen sich die meisten der Zuschauer identifizieren können. Und gerade das macht den Spot ‚Das Leben ist kein Laufsteg, aber schöne Schuhe gehen immer‘ so sympathisch. Musik, Rhythmus und Darsteller emotionalisieren und involvieren. Und ganz wichtig: Der Spot aktiviert. Am Schluss gibt es den Verweis auf die Website. Und das alles in gut 50 Sekunden", so das Urteil der Juroren.

Der für das Ministerium für Wirtschaft erstellte Spot 'You Can't Spell it' von AV Medien Film + Fernsehen GmbH erfüllt nach Auffassung der Jury seine Aufgabe perfekt. Für die Juroren war 'Märklin - Gleis 1' von der Karli Baumann Werbefilmproduktion "eigentlich wirklich großes Kino im Kleinen, aber einfach zu lang für einen Werbespot".

PreisträgerInnen 2017

Die Stunde der Gewinner – Impressionen von der Preisverleihung

Stefan Krohmer
mit 'Zur Hölle mit den Anderen'

 

Dem in Balingen geborenen Regisseur Stefan Krohmer, der bereits für seine Filme 'Ende der Saison' (2001) und 'Familienkreise' (2003) den Grimme-Preis erhielt, gelang nach Auffassung der Jury mit der SWR-Produktion 'Zur Hölle mit den Anderen' "ein Pointenfeuerwerk, wie man es aus Deutschland selten sieht. Krohmer schuf "eine urkomische, pointierte und klug geschriebene Gesellschaftssatire, die mit beeindruckender Genauigkeit und Leichtigkeit umgesetzt wurde". Sein lakonisch komödiantisches Kammerstück stellt zwei Paare vor, deren Lebensentwürfe unterschiedlicher nicht sein könnten: Wo die eine ihren dreijährigen Sohn noch immer stillt und ihre intellektuellen Ambitionen aus Lesezirkeln bezieht, und dabei die perfekte Hausfrau an der Seite ihres Unternehmer-Macho-Mannes mimt, lebt die andere als Kulturmanagerin das Lebensmodell der alleinigen Versorgerin mit einem häuslichen Mann, der als Öko-Weichei und idealistischer Weltverbesserer herhält. Zunächst noch unter dem Deckmantel der Höflichkeit, halten sich die Sticheleien und kritischen Anspielungen der alten Freundinnen noch in Grenzen. Doch je weiter der Tag voranschreitet, umso offener wird die gegenseitige Abneigung zur Schau getragen, überdies allmählich auch die Fassade jedes Einzelnen bröckelt. Als sogar ein Kind in den Mittelpunkt der gegenseitigen Häme gerückt wird, gerät die Situation außer Kontrolle. "Bei diesen überraschenden Wendungen und den wechselnden Allianzen entwickelt die Handlung einen solchen Sog, der dem Zuschauer vor Lachen beinahe den Atem raubt. Dabei bleiben die Figuren immer nah und komisch abgründig zugleich. Zu verdanken ist dies nicht zuletzt dem grandiosen Ensemble, das mit faszinierender Authentizität agiert," lobte die Jury. 

Sinje Köhler
mit 'Freibadsinfonie'

Die in Darmstadt geborene Regiestudentin Sinje Köhler spürt in ihrem Kurzfilm 'Freibadsinfonie' "in einer eigenen Handschrift das Besondere im Alltäglichen auf, ohne dabei ins Banale abzugleiten", so die Jury. Die Regisseurin beweise eine nuancierte Beobachtung ihrer Charaktere, sowie ein sensibles Gespür für die künstlerische Umsetzung. Das zeige sich im bewusst gewählten Einsatz der Bilder, der Musik und nicht zuletzt in der sorgfältigen Auswahl des Drehorts, der nicht unwesentlich zum Gelingen des Films beiträgt.
Mit Leichtigkeit erzählt der Film von einem Sommer, der endlos scheint, aber jäh unterbrochen werden könnte von einer aufziehenden Gewitterwolke. "Die göttliche Katharsis für die Figuren bleibt aus; jede bleibt letztendlich sich selbst überlassen. Und dennoch - und das ist die für uns schönste Schlussfolgerung des Films - nicht allein," fand die Jury. Wie der Titel 'Freibadsinfonie' schon andeutet, geht es um ein Miteinander, das manchmal kompliziert scheint, ja sogar scheitern kann, wenn man es nicht mehr gewohnt ist, im zwischenmenschlichen Kontakt zu sein. Die Jury kam zu dem einhelligen Urteil: "Die liebevoll arrangierte Sinfonie lässt jede Person in diesem filmischen Abbild der Gesellschaft ihren ganz eigenen unverwechselbaren Ton spielen und bringt uns als Zuschauer ganz nebenbei dazu, unseren eigenen Tönen vergangener Sommer nachzuspüren".

Nora Fingscheidt
mit 'Ohne diese Welt'

Mit dem Dokumentarfilm 'Ohne diese Welt' schließt Nora Fingscheidt ihre Regiestudium an der Filmakademie in Ludwigsburg ab. "Still, beobachtend und mit spürbarem Respekt, ermöglicht das Filmteam einen seltenen Einblick in das Leben von deutschstämmigen Mennoniten im Norden Argentiniens. Durch den subtilen Dialog, den das Filmteam mit den scheuen Menschen eingeht, wird ihre Präsenz zu einem Teil des Films und deutet dadurch auf den sich anbahnenden, von außen herbeigeführten Wandel innerhalb der Gemeinschaft hin", begründet die Jury ihr Votum. Nora Fingscheidt und ihr Team schafften es durch eine ganz eigene Stimmung und Bildsprache einen "künstlerisch und inhaltlich beeindruckenden Film zu erzählen, der neben hohem stilistischen Anspruch immer authentisch bleibt".

Maitte Schmitt
mit 'A Priori'

Mit viel Fantasie und künstlerischer Eigenart, so die Jurybegründung, erzählte die Ludwigsburger Animationsstudentin Maite Schmitt ihre Geschichte über Vorurteil und Freundschaft. Dabei flattern originell gestaltete Charaktere durch die detailreich mit Buntstift gezeichnete Welt der alten Bücher und drohen sie zu zerstören. ‚A Priori‘ begeistert die Jury durch die hohe Filmästhetik, die gelungene Kameraführung und den klugen Mix aus 2D und 3D Animation. Farbgestaltung und Ausführung der Animation passten sehr gut zum Stil der Geschichte. "Die einfühlsame Musik und das pfiffige Sounddesign unterstreichen die märchenhafte Atmosphäre des Films. Intelligent - meisterhaft umgesetzt", heißt es in der Jurybegründung weiter.

Für seinen Animationsfilm 'Bis Donnerschdag' erhielt Michael Bohnenstingl, Student an der Filmakademie in Ludwigsburg, eine lobende Erwähnung. Sein Filmschau-Beitrag fasst thematisch ein heißes Eisen an, Mobbing in Schulen, und überzeugte die Jury dabei durch brillante Erzähl-Ökonomie und den frechen Stil. Es gehöre viel Zivilcourage dazu, sich im Rampenlicht bei der Schulaufführung gegen die schwäbischen Rapper zur Wehr zu setzen. "Dabei besticht der Film durch die stilistische Geschlossenheit als SW- Strichzeichnung und die reduzierten, markanten Charaktere. Die ausgefeilte Animation bringt den trockenen Witz auf den Punkt: unschlagbar spritzig", begründete die Jury ihre Entscheidung. 

Bester Spielfilm 'Zur Hölle mit den Anderen'
Sinje Köhler für den Besten Kurzfilm 'Freibadsinfonie'
Nora Fingescheitd für die Beste Dokumentation 'Ohne diese Welt'
Bester Animationsfilm 'A Priori'